Sonntag, 18. Oktober 2026

TROST FÜR DIE MITTELMÄSSIGE

Twelve significant photographs in any one year is a good crop.

Ansel Adams

3 Menschen auf der Steinstiege einer Brücke, neben ihnen eine Taube, vor ihnen ein Rollatorfahrer.

Ein paar Tage in Chioggia, die Kamera in der Hand. Mich treiben lassen, sehen, genießen, Bilder mit Aug und Gefühl in mich und Photos mit der Kamera aufnehmen. Wonnig.

Dann die Rückkehr und statt den Koffer auszupacken oder gar in Haus und Hof Hand anzulegen, geht's direkt an den Rechner. Die Bilder werden runtergeladen, bearbeitet. Stundenlang, bis die Augen fast zufallen. Und am nächsten Tag geht's flott weiter.

Roter Hydrant vor der Liebeserklärung in weißen Buchstaben auf einer hell terracottafarbenen Wand: "Milly ich liebe Dich mehr als mein Leben. Ich bitte Dich verlass mich nie."

Das nennt man wohl Obsession. Die Ausbeute ist immens, die Speicherkarte nimmt ja geduldig jede Menge unkomprimierter Bilder auf.

Ausgearbeitet werden fast alle. Zu diesem Zeitpunkt liegen mir die Photos noch zu sehr am Herzen. Alle, zumindest fast alle. Und das sind Hunderte.

Bunte Häuser spiegeln sich im leicht bewegten Canal Vena

Aber so langsam wird das Auge kritischer. Welche Bilder erachte ich als wirklich "wesentlich"? Welche sind als Erinnerung zwar nett, aber sie haben nicht das "Punctum", das Fesselnde, ins Auge Stechende, ja, sogar das Verwundende, wie Roland Barthes es formuliert?

Selbst wenn ich weniger streng mit meinen frisch gefangenen Bildern bin: Es gibt nur wenige, die ich als halbwegs "significant" empfinde - wobei ich wieder bei Anselm Adams bin.

Eine Ziegelwand spiegelt sich im ruhigen Canal, rechts eine Brücke, links ein Schattendreieck.

Und bei ihm und seinem oben wiedergegebenen Spruch bleibe ich. Er tröstet immens. Einige der Bilder der letzten Reise "haben etwas". Zumindest für mich. Mit denen bin ich halbwegs zufrieden. Zumindest jetzt.

Der Aufgang zum Ponte di Vigo. Auf den Stufen ein Mensch, vor ihm Räder.

Der Rest ist eine netter Bilderbogen. Auch wieder für mich. Photos, in denen ich diese Stadt spüre, die sie charakterisieren. Bilder, in denen ich meine Gedanken schwimmen lassen kann.

Würde ich die schon heftig dezimierte Auswahl jemandem vor Augen führen, hätte das den gleichen Effekt, den man in grauer Vorzeit von elendslangen DiaAbenden erlebt hat, bei dem die zum Schauen verdonnerte Verwandtschaft und der ebensolche Freund:innenkreis sanft entschlummerte.

Aus bunten Häkelquadraten, die einen Baum umhüllen, wächst Efeu heraus.

So habe ich für diesen Blog einige Bilder herausgesucht, die mich berühren, die mir unabhängig vom Erlebten etwas sagen, weil sie sprechen. 

Nicht unbeschreiblich originell, manche drängen sich halt nicht nur mir auf. Bilder, die die Kraft haben, mir ans Herz zu wachsen. Die - mir - bleiben.

Von den hier Gezeigten sind es wahrscheinlich maximal zwei. Ich will ja nicht so schnell die 12 Bilder verplempern, die Anselm Adams mir für dieses Jahr zugesteht!

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